
Bild & Bühne
@frauenfuss hat geladen, seit Monaten schon. Und ihre Timeline war zuletzt ein einziger Liveticker-Countdown für die Vernissageeröffnung mit ihren Bildern, die sie im Rahmnen ihrer Twitteraktion “Ich male meine Follower” zu Moleskine brachte.
Man durfte zwischenzeitlich Sorgen haben. Ihr Lieblingsausspruch „Aber Klaro“ wurde, insbesondere in der Schlussphase, durch wiederkehrendes „Gottogott“ ersetzt. Und die Kosten sprangen den Rahmen, nichtzuletzt eben wegen dieser. Von der viehischen Arbeit ganz zu schweigen.
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Was ist passiert? Wie kann ein unverbindliches Klicken auf Follow dazu führen, Wochen später durch das Land zu reisen? Was bewegt Menschen dazu, sich über Distanzen zusammenzufinden und in RL in die Abgründe ihrer Timeline zu blicken ;) Wärmt das Twitterfeuer nicht genug? Bilden die Bilder von @frauenfuss den Anlass, sind sie der Rahmen, sind sie der Aufhänger? Geht es um ein Kennenlernen einer Künstlerin? Oder darum, dass diese verstanden hat, dieser Sehnsucht nach einem Twitterlagerfeuer eine Plattform zu geben?
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Dieser @frauenfuss ist mit einer Energie ausgestattet, als hätte es im Vorzimmer Gottes eine buchhalterische Panne gegeben. Als hätten irrtümlich fünf anstelle der üblicherweise einen Menschenseele in ihr reinkarniert. Als sie mich fragte, wer ich sei, wusste ich nicht: Bin ich nun fakirsessel oder H.? Ich entschied mich für H. Und, nach kürzerem Zögern: H. der fakirsessel aus Twitter.
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Man hatte die Wahl: Stecke ich mir einen Anstecker an? Schreibe ich meinen Twitterweltnamen drauf? Es wurde sich unterschiedlich entschieden. Und – täuscht es? – die Männer griffen häufiger zum bekennenden Anstecker als die Frauen. Das versteht sich frei von jeder Zuschreibung. Ich habe gezögert. Es fühlt sich an, als wenn ein Nachtschwärmer den Schutz der Dunkelheit abstreift, um sich mutig den Herausforderungen des hellen Tageslichtes zu stellen.
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@frauenfuss. Vielfach gefolgt.
Fotokameras, Kameras und hundert tweetgewandte und mit iPhone bewaffnete Menschen: Was auch passiert, welche Grimasse du auch schneidest, Sekunden später kann es draußen sein. In den Timelines dieser Republik. Es fühlt sich an, als hätte man das Heft des Handelns ein Stück weit aus der Hand gegeben. Als würde man wissen, dass man sich für eine gewisse, kleine Zeit in einer hochgradig verwanzten Wohnung aufhalten. Aber alldies scheint zum Spiel zu gehören. Ich twittere, was ich sehe, und sehe dann, was andere sehen, da sie es twitterten. Ich ringe noch, ob ich das gerade authethisch oder gerade nicht authentisch finden soll.
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Es hat mich überrascht, wie sehr das Thema Folgen und Entfolgen, dieses ganze kleine Einmaleins der Twittererseele, die Gespräche mitbestimmt hat. Eitelkeiten waren mit Händen zu greifen. Das Entfolgen ist die zentrale Kränkung des 21. Jahrhunders. Aber auch Koketterie begegnete mir mehr als einmal: „Vor Twitter konnte ich nur rülspen.“
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Manchmal, da hapert es noch mit den im dialogen Räumen so Trainierten. Es hapert bei der Übertragung in die analoge Welt, in das, was andere als echte Welt hochjazzen (dabei ist das so was von 80er!)…
Da wird dann die Frage: “Wer bist Du?” direkt mit: “Du, ich folge Dir nicht!” beantwortet. Wobei, vielleicht ist das ja wegweisend. Ich entscheide digital über meine Gesprächspartner, was für einen gottverdammten Grund also sollte ich haben, hieran etwas bei einem tatsächlichen Gegenübertreten zu ändern?!
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Der @vergramer. Im Rahmen seiner Twitter-Deutschlandtournee gastierte er gestern in Nürnberg. Ich beneide ihn um sein Kunsthandwerk. Dinge schief aufzusetzen und so was von gnadenlos durchzubuchstabieren, dass das Absurde das Normale wird. Beeindruckt hat mich, dass er auch Vorlesen kann. Man mag ja denken, dass wer gut schreibt, das Eigene auch gut lesen kann. Warum auch immer es so sein mag, aber diese Talente sind vollkommen voneinander getrennt und andere Texte gehen zusammen mit ihren Vorlesern den Bach runter.
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Die Werke...
Interessant die Einschätzung der Redakteurin der Deutschen Welle, die meinte: Wir können das mit dem Fernsehen gar nicht abbilden, was hier passiert, was Twitter ist. Das übersteigt die Möglichkeiten unseres Mediums.
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Sehr gefallen hat mir @baranek, der gefundene Zettel an die Wand projizierte. Als Alltagsarchäologe hat er es sich zur Aufgabe gemacht, handschriftliche Zettel zu sammeln; Einkaufszettel, persönliche Sachen, alles. Verboten ist allein das Fischen von Zetteln aus dem Mülleimern. Er nennt all dies ein „Spiel“. Er bedauert, dass ihm das Zettelsammeln in Stuttgart sehr viel schwerer gemacht wird als in Berlin. Nebenbei, augenzwinkernd, gibt er zu, das alles habe natürlich auch ein wenig mit Voyeurismus zu tun. Und so lieb-beiläufig, merkt man beinahe nicht, dass dieses Spiel auf Voyeurismus basiert.
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Gerne zugehört habe ich der Gräfin Alexandra. Das ist sie also. Dieser schräge Vogel ist @silenttiffy. Zu hören war das erste Kapitel aus ihrem wohl autobiographischen (herrje, nicht so genau aufgepasst…) und im Werden begriffenene Buch. Die Twitterwelt, die analoge, kann also gleichsam live dabei sein, bei der Entstehung des Werkes. Die Vorstellung des nächsten Kapitels nämlich wurde für den nächsten jourfitz am 30.11. in Berlin in Aussicht gestellt.


Mein Lieber!
Klasse – einfach wunderbar! Ich wische mir grad ein paar Tränen der Rührung aus den Agenwinkeln!! Fühl dich gedrückt!
Ja – und so gut beobachtet: ich war auch ganz irritiert, als ich dieses eine nette Mädchen einfach nur nach ihren Namen fragen wollte und sie antwortete “Ich folge dir nicht”. Ja hä? Ja und? So weit ist es schon. Ich weiß ihren Namen bis heute nicht, nur weil sie mir bei Twitter nicht folgt! Hammer! Später wollte sie übrigens fast das Bild von @silenttiffy kaufen … aber dies nur so nebenbei.
Alles, alles Liebe und es ist toll, dich kennen gelernt zu haben. Egal ob du mir die nächsten 100 Jahre weiter folgen wirst oder nicht, die Zeit war bewegend und wird für mich unvergesslich sein!
Liebe Grüße von Micha
danke für die detailierte Berichterstattung .. bin gespannt wie es in Hamburg sein wird ..
gut das TV nicht alles einfangen kann
lg fotosh